Teil P
Drei Typen an Darmbakterien-Populationen
Vor einigen Jahren erreichte eine Studie die Medizinwelt, in der davon berichtet wird, daß man drei Enterotypen an Darmbakterien-Populationen ausgemacht hat. Wie immer hat sich die Sensationspresse begierig und ohne Hirn und Verstand darauf gestürzt und alles mögliche mit dieser gewiß epochalen Feststellung begründet. Das wäre aber wieder mal zu schön, um wahr zu sein, denn die Wahrheit hinter der Meldung ist leider ernüchternd:
- Die Studie ist nicht repräsentativ. Es wurden Untersuchungen nur an 39 Probanden aus wenigen verschiedenen Staaten vorgenommen. Hierdurch ist eine Allgemeingültigkeit der Aussage für die Weltbevölkerung (!) nicht gegeben. Würde man noch mehr Probanden einbeziehen, ist zu vermuten, daß die eine oder andere Untergruppe, wahrscheinlicher aber eine andere, höhere Anzahl an Enterotypen gefunden wird. Da man nicht im Geringsten weiß, was den Enterotypus sich ausbilden läßt, konnte die Studie keine der mutmaßlich notwendigen Parameter (Herkunft, Standort, Alter, BMI, Vorerkrankungen, Antibiotika-Gaben, Ernährung, Umwelteinflüsse bis hin zu Vergiftungen allgemein, Vergiftungen mit Zuckerstoffen und Süßstoffen etc.) betrachten.
- Die Darmbakterien-Populationen wurden nicht im Darm untersucht. Nochmal: Die Untersuchungsergebnisse betreffen "Drei Typen an Darmbakterien-Populationen", wurden jedoch nur am Stuhl vorgenommen(!). In unseren Augen ein schwerer methodischer Fehler, denn hierdurch ist NUR feststellbar, welche Darmbakterien in den Stuhl gelangen - und nicht, welche im Darm SIND.
Wir erwarten bei einer glaubwürdigen Studie zu Darmbakterien-Populationen, daß diese den Darm untersucht und nicht den Stuhl. Und wenn sie den Darm untersucht, dann muß erfaßt werden, wo im Darm die Probenahme erfolgt, denn dieser ist von Zentimeter zu Zentimeter anders und dann mit immer anderen Darmbakterien besetzt. - Die Studie phantasiert. Das Ganze oben wird dann noch zusätzlich lächerlich, weil der Leiter der Studie vorschnell etwa resümiert, daß sich in der Partnerschaft immer Menschen finden, die sich in ihrer Darmflora ähneln. Zu dieser frei erfundenen Mutmaßung hat er keinen Grund und schon gar kein Wissen. Er soll doch erstmal die Darmflora untersuchen und nicht den "partnerverbindenden" Stuhl. So was passiert ja nicht einmal einem Erstsemester Medizin.
Für die Zukunft der Medizin kann jedoch die Feststellung der
Enterotypen heißen, daß diese genauso wichtig werden, wie seinerzeit die
Feststellung der Blutgruppen. In der Folge heißt das für die Aufnahme
etwa von Erdölprodukten (siehe oben), es kann jeder Enterotyp anders als
der andere reagieren - es tut sich ein weites Feld für die Forschung
auf.
Die Enterotypen bilden sich beim Heranwachsen des Menschen aus. Es wird
von angesehenen Wissenschaftlern und Medizinern immer wieder behauptet,
das der Darm von Neugeborenen bar aller Bakterien sei (quasi eine Tabula
rasa). Das ist jedoch erwiesen falsch und beruht auf der falschen
Annahme, daß Bakterien die Plazenta-Schranke nicht überwinden könnten
(die Plazenta-Schranke der Mutter). Die Wahrheit jedoch ist in diesem
Fall, daß selbst Neugeborene schon Bakterienansiedelungen im Darm haben
und folglich, daß die Mutter die erste ist, die das Kind mit Bakterien
besiedelt - und das schon pränatal. Zu den Parametern, die oben genannt
sind, hat die seriöse Forschung also noch die Mutter hinzuzufügen.
